DER SITUATIONSORIENTIERTE
ANSATZ IM
KINDERGARTEN
1.
Was heißt situationsorientiertes Arbeiten?
Kindergartenarbeit geschieht auf
der Grundlage der unterschiedlichen Lebensgeschichten der Kinder, um ihre
Situation zu fühlen, zu verstehen und zu begreifen und Handlungsmöglichkeiten
zu entwerfen und zu entdecken, die sie die Gegenwart als wesentliches Stück
ihres Lebens erfahren lassen können, in dem es sich lohnt, aktiv und lebendig
zu leben.
Im
Mittelpunkt der Arbeit steht das Kind mit seinen Bedürfnissen, d.h. die Kinder
erhalten situativ die Möglichkeit, ihren Kindergartenalltag mitzubestimmen.
Die
einzelnen Bereiche des Kindes werden wahrgenommen und mit den Kindern in
Beziehung gesetzt.
Planung
und Durchführung bieten mehr Freiheit und Offenheit im Hinblick auf die Persönlichkeit
des Kindes und der Erzieherin (anstatt für die Kinder wird mit ihnen gedacht).
Im
Bezug auf die tägliche Arbeit werden die Interessen der Kinder und aktuelle
Ereignisse flexibel aufgegriffen und erlebnisbezogen, gedankenbezogen und
handlungsbezogen in das Tagesgeschehen miteingeflochten.
Für
das einzelne Kind und seine Absichten ergibt dies einen größeren Freiraum und
beinhaltet vielfache, positive Aspekte.
- Unterschiedliche
Erfahrungen und Erlebnisse der Kinder können untereinander besser genutzt
werden
- Defizite
(Emotional, sozial, intellektuell, etc.) können besser berücksichtigt und
ausgeglichen werden
- Kinder
erhalten konkrete Hilfen für die Verarbeitung von Konflikten
- Jedes
Kind erfährt im jeweils, individuellen Entwicklungsstand entsprechende Förderung
Kinder
lernen primär handlungs- und erfahrungsbezogen, d.h. entscheidend beim Lernen
sind alle emotionalen Prozesse, aktuellen Bedürfnisse, die Spontaneität des
Kinder und der Aufforderungscharakter von Materialien und Angeboten.
Situations-
und Lebensbereiche werden vom Kind nicht nacheinander, sondern miteinander
vernetzt.
2.
Voraussetzung für offene Planung und situatives Arbeiten:
Situatives Arbeiten und Planung
sind keine Gegensätze. Die offene Planung ist die Voraussetzung für situatives
Arbeiten. Beides sind immerwiederkehrende, gleichwertige Prozesse.
Ein
wesentlich wichtiger Faktor in der offenen Planung ist die Einbeziehung des
sozialen Hintergrundes und der persönlichen Lebensgeschichte im Hinblick auf
die Erzieherin, die Eltern und die Kinder.
Aufgabe
der Erzieherin ist es, sich ständig um die Fortführung ihrer Kompetenzen zu
bemühen. Sie lernt stets und ständig neu dazu und reflektiert stets ihr
eigenes Verhalten im Umgang mit den Kindern. Dies beinhaltet unter anderem die
Formulierung ihrer Planungsziele, die Auswahl des Was und Wies und die Frage,
weshalb etwas weitervermittelt werden soll.
Im
Anschluß an das Projekt muß sie wiederum in der Lage sein, den Ablauf zu
reflektieren und die Ergebnisse festzuhalten.
Wesentlich
wichtig für eine erfolgreiche Arbeit ist es auch, die Familienverhältnisse des
Kindes zu kennen und in
Zusammenarbeit mit den Eltern zu erfahren.
Desweiteren
muß sie das Verhalten der Kinder in allen möglichen Kindergartensituationen
(Freispielzeit, Kindergespräche, besondere Aktionen) beobachten, um den ersten,
wesentlichen Schritt der Projektformulierung durchführen zu können.
Lerninhalte und Angebote müssen für das Kind
entweder für die aktuelle Situation, den Lebensalltag des Kindes oder für die
Zukunft des Kindes von Bedeutung sein.
VORÜBERLEGUNGEN
DER ERZIEHERIN:
1.
Schritt ist die Loslösung vom Denken, daß sich Lernereignisse in der Gesamtgruppe vollziehen.
Es
ist durchaus denkbar, daß Kinder im Laufe eines Projektes abspringen oder neue
Kinder dazukommen.
2. Schritt ist die kritische Beurteilung des eigenen Erzieherverhaltens
(z.B. Vorerfahrungen, persönliche
Einstellung, Offenheit für das Thema, Fähigkeit des Selbstreflexion, etc.)
3. Schritt ist die Analyse der kindlichen Ausgangssituation, d.h. die Frage
nach den Bedürfnissen, den Grundkenntnissen
und Wünschen des Kindes (wird durch Beobachtung ermöglicht)
Situatives
Arbeiten wird durch drei Schritte möglich.
ANALYSE – PLANUNG- DURCHFÜHRUNG
Alle
diese Schritte greifen stets und ständig ineinander über und bauen ein Projekt
entsprechend auf.
(Achtung:
Die genaue Kenntnis der Situation ist besonders wichtig, um nicht eigenen
Vermutungen und falschen, verkürzten Interpretationen aufzuliegen.)
4.
Praktische Durchführung des situationsorientierten Ansatzes:
1.
Schritt: THEMENFINDUNG:
Hier
beginnt die Auseinandersetzung darüber, Was für die Lebenssituation des Kinder
wichtig ist. Die exakte Beobachtung der Kinder bringt in Erfahrung, Was für
die Kinder zur Zeit aktuell ist und von daher kindgemäß mit Ihnen bearbeitet
werden soll.
Frage:
Welches Thema ist momentan für das Kind, die Kindergruppe wichtig?
Ansatzpunkte
können dabei u.a. die Kindergartengruppe, das einzelne Kind, die Familie, das
unmittelbare Umfeld des Kindergartens, das gesellschaftliche Umfeld, die Natur,
Technik, Kultur und Handwerk, Religion und weltanschauliche Werte, etc. sein.
Eine
weitere, grobe Gliederung zur Themenfindung kann vom Kind her oder von der Außenwelt
des Kindes her stattfinden.
2.
Schritt: STOFFSAMMLUNG ZUM GEWÄHLTEN THEMA:
Die
Erzieherin trägt nun zusammen, Was sie bereits für eigene Erfahrungen und
Wissen zur Thematik besitzt und ob dieses Wissen ausreicht, um das Thema kindgemäß
und in vollem Maße an die Kinder vermittelt werden kann.
Frage:
Ist mein bereits vorhandenes Wissen zum Thema ausreichend?
Wo
erhalte ich weitere Informationen und Anregungen?
3.
Schritt: ZIELSETZUNG:
Kinder
einer Kindergartengruppe haben in der Regel ein sehr unterschiedliches Wissen zu
verschiedensten Themen. Folglich ist es ratsam, ein Thema in verschiedensten
Variationen anzubieten, um für die Interessen jedes Kindes Angebote machen zu können.
Die
Zielsetzung erfolgt anschließend durch anschließend durch ebenfalls genaue
Beobachtung der kindlichen Bedürfnisse. (Vorteil: Kinder zeigen und kennen
diese Bedürfnisse oft besser als die Erwachsenen)
Frage:
Welches Wissen ist beim Kind/ bei den Kindern bereits vorhanden?
Welches
Wissen möchte ich aufbauend vermitteln?
Was
will ich damit beim einzelnen Kind spezifisch erreichen?
Welche
Schwerpunkte setzte ich für die gesamte Kindergartengruppe?
4.
Schritt: GEMEINSAME DURCHFÜHRUNG:
Kinder
erfassen ein Thema als Ganzes und erleben es dementsprechend sehr intensiv.
Das
methodische Vorgehen im Hinblick auf die Auswahl der Materialien und Räumlichkeiten
bilden eine Einheit für das Kind und helfen gleichzeitig, das Projekt zu
durchschauen. In entsprechenden Freispielangeboten, gezielten Aktivitäten und
der Nutzung von Spielbereichen kann das entsprechende Projekt unter Rücksicht
auf die pädagogischen Besonderheiten (von leicht nach schwer, transparente
Informationen für das Kind, usw.) sowohl mit dem einzelnen Kind als auch mit
der Kindergruppe gezielt bearbeitet werden.
Frage:
Wann finden meine Aktionen entsprechenden Raum zur Durchführung?
Wie
bereite ich mich darauf vor (Raum, Materialien, Kindergruppe)?
Wen
beteilige ich an der Planung und Durchführung
(Eltern, Träger, etc.)?
5.
REFLEXION:
Kritische
Stellungnahme zur vorangegangenen Thematikbearbeitung.
Entwicklungen,
Erfahrungen und Erlebnisse werden festgehalten.
Frage:
Habe ich das Projekt zufriedenstellend für Kind und Erzieherin eingeführt?
Wie
ging es den Kindern dabei?
Habe
ich meine vorher festgelegten Ziele erreichen können?
Was
ich flexibel und spontan genug, um den Wünschen der Kinder zu
genügen?
5.
WESENTLICHE GRUNDVORAUSSETZUNGEN FÜR DIE SITUATIVE ARBEIT:
1.
EINSTELLUNG UND PERSÖNLICHKEIT DER ERZIEHERIN:
Der
situationsorientierte Ansatz steht und fällt mit der Einstellung und Bemühung
der Erzieherin, an sich zu arbeiten. Sie muß vom geplanten und vorgegebenen
Denken des funktionsorientierten Ansatzes loslassen können, um eine
entsprechend gute situative Arbeit leisten zu können.
Die
Beobachtungen des Kinder prägen ihre Arbeit in wesentlichem Maße, eine offene
Planung (Stoffsammlung) folgt anstelle eines genau festgelegten Planes.
Sie
arbeitet Projekte in einer Vielfältigkeit aus und beobachtet die Kinder auch in
der Durchführung stets genau. Flexibel und spontan muß sie auf die
Entwicklungsprozesse der Kinder achten, die während des Projektes womöglich in
eine neue Richtung tendieren. Hier muß sie einlenken, neue Möglichkeiten
kurzfristig ausarbeiten, um die Förderung der Kindergruppe weiter ausbauen zu können.
Die
Reflexion bildet den zweiten, wichtigen Grundstein, denn die Erzieherin muß nun
ihr Verhalten und das der Kinder, den Ablauf von Projekten, die tägliche Kiga-Arbeit immer neu reflektieren.
Dies
ist ein immerwährender Prozess, der sich wie ein roter Faden durch die gesamte
Kindergartenzeit zieht und mit dem fortlaufend gearbeitet werden muß.
Auch
muß sie bereit sein, sich mit ihrer Persönlichkeit so einzusetzen, da eine
Arbeit und Projektausarbeitung gemeinsam mit den Kindern fruchtbar sein kann.
2.
FAMILIENERGÄNZENDE KIGA-ARBEIT- ELTERNARBEIT:
Sehr
erleichternd kann eine familienergänzende Kindergartenarbeit
im situationsorientierten Ansatz
wirken, da die Eltern so aktiv am Arbeitsprozess der Kinder einbezogen
werden können. Auftretende Fragen und Probleme der Kinder, die sich zuhause
zeigen, treffen in diesem Fall evtl. auf vorbereitete Eltern, die das Kind und
die Kiga-Arbeit so unterstützen können.
Desweiteren
ist es so besser möglich, Eltern in die Projekte mit eigenen Aktionen
einzubauen.
3.
SCHABLONENARBEIT:
Kinder
lernen sich freier zu entfalten, ein Schablonendenken wird so frühzeitig
vermieden.
Die
Kreativität erhält ein Vielfaches an Möglichkeiten, um zum Einsatz zu
gelangen. Dies wirkt sich natürlich auch positiv auf die tägliche
Kigasituation aus, da die Kinder immer mehr Möglichkeiten erhalten, ihre
Vorstellungen und Phantasien frei zu gestalten.
4.
WORKSHOPS (OFFENE GRUPPEN):
Daß
nicht jedes Kind die gleiche Interessen und Bedürfnisse an der Teilnahme eines
Projektes haben kann, ist klar ersichtlich. Dennoch gibt es durch das Anbieten
verschiedener Workshops die Möglichkeit, jedem Kind eine Möglichkeit zu geben,
sich an Projekten zu beteiligen, die interessant sind.
Flexibilität
und die Bereitschaft für gruppenübergreifende Angebote sowie eine gründliche
Vorbereitung von Seiten des Teams sind dafür unumgänglich.
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